Vorwurf der sexistischen Erniedrigung haltlos

Stellungnahme zu Presseberichten über sexistische Erniedrigungen gegen einen Bewohner des Wohnheims für behinderte Menschen „Siedlung am Park“ in Oppin.

Trennung von Mitarbeiter, der Fotos geschossen hat

Magdeburg, 17.Januar 2018 – Die Gemeinnützige Paritätische Sozialwerke - PSW GmbH hat Medienberichte über die sexistische Erniedrigung eines geistig behinderten Bewohners als haltlos zurückgewiesen. Zugleich trennte sich die Geschäftsleitung von einem Mitarbeiter, der unerlaubt Fotos geschossen hat.

„Der Artikel der „Bild“-Zeitung vom 13.01.2018 sowie die Anschluss-Berichterstattung entsprechen nicht der Wahrheit. Sie beziehen sich auf Anschuldigungen aus einem anonymen Schreiben, das an die Heimaufsicht gegangen ist und offenbar parallel der „Bild“-Zeitung zugeleitet wurde“, erklärte PSW-Geschäftsführer Andrik Krüger in Magdeburg.

Eingehende Befragungen der Mitarbeitenden durch die Geschäftsleitung im Beisein des Betriebsrats hätten ein klares Bild der Weihnachtsfeier ergeben, um die es in dem „Bild“-Bericht geht. Der männliche Bewohner sei nicht, wie unterstellt, zu einer „Modenschau“ in Reizwäsche gedrängt worden, auch habe man ihn nicht zu erotischem Posing animiert.

Krüger: „Richtig ist, dass sich der geistig behinderte Mann, der - wie andere Bewohner auch - nicht ohne sexuelle Bedürfnisse ist, zu Weihnachten einen speziellen erotischen Slip gewünscht hatte. Das „Borat“-Kostüm, das er von seinem Taschengeld bezahlt hat, wurde ihm bei der Weihnachtsfeier im Gemeinschaftraum als Päckchen überreicht. Er packte das Geschenk aus, ging in sein Zimmer, zog sich selbstständig um, und kehrte in den Gemeinschaftsraum zurück, um das Dessous seinen Mitbewohnern vorzuführen.“

Ein Betreuer habe die Szene fotografiert und die Fotos unerlaubterweise auf einen PC im Wohnbereich geladen, wodurch die Fotos dem Personal zugänglich gewesen seien, erläuterte Krüger. Außerdem habe der Mitarbeiter die Fotos als Schleife für den Bildschirmschoner eingerichtet. Dies habe offenbar einen oder mehrere Kolleginnen oder Kollegen dazu veranlasst, ein anonymes Beschwerdeschreiben mit Foto an die Heimaufsicht zu richten, das zur „Bild“-Zeitung gelangt sei.

„Wir haben uns von dem Mitarbeiter, der die Foto-Aktion zugegeben hat, mit sofortiger Wirkung getrennt. Er hat Hausverbot. Was er getan hat, ist mit den ethischen und fachlichen Grundlagen unserer Betreuungsarbeit, die durch Geschäftsordnung, Leitbild und Arbeitskonzept der Einrichtung klar definiert ist, unvereinbar“, betonte der Geschäftsführer.

Nach seiner Erfahrung spiegelt der Vorgang nicht zuletzt die differenzierten Befindlichkeiten der Mitarbeitenden im Umgang mit den sexuellen Bedürfnissen von Be- wohnern wider. Zum Betreuungsansatz der PSW gehöre das anspruchsvolle Ziel, auch Menschen mit zum Teil schwersten Behinderungen ein soweit wie möglich selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Dazu gehöre ein behutsames, kontrolliertes Eingehen auf die Sexualität der Betroffenen.

„Wir wissen, dass dieses Betreuungskonzept bei den 50 Mitarbeitenden, die wir beschäftigen, darunter viele Frauen, punktuell Kontroversen hervorruft. Dies darf aber nicht zu diffamierenden Anschuldigungen führen, gegen die wir uns energisch zur Wehr setzen. Wir haben deshalb Verleumdungsanzeige erstattet und unterstützen nach Kräften die Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch über die Hintergründe muss volle Transparenz hergestellt werden,“ betonte Krüger.

Für Rückfragen:

Andrik Krüger
Tel.: 0391 / 6293 410
E-Mail: akrueger@paritaet-Isa.de